Case Study · Bank · 220 MA

    Genossenschaftsbank halbiert Bearbeitungszeit für Firmenkredite — durch KI-Bilanz-Vorprüfung

    Wie eine Genossenschaftsbank mit 220 MA und 1,9 Mrd € Bilanzsumme die Bearbeitungszeit für Firmenkredit-Anträge bis 500 k € von 11,4 auf 6,1 Tage gesenkt hat — durch KI-Vorprüfung von Bilanzen, automatisierte Bonitäts-Vorbewertung und MaRisk-konformes Audit-Logging.

    30 Tage
    zum ersten Pilot
    Ø 40 %
    weniger manuelle Arbeit
    100 %
    Hosting in Deutschland
    DSGVO + EU AI Act
    konform implementiert

    Ausgangslage

    Die Bank — eine Genossenschaftsbank in Süddeutschland mit Schwerpunkt Mittelstands-Finanzierung — bearbeitete Firmenkredit-Anträge bis 500 k € in einem klassischen Drei-Schritt-Prozess: Aufbereitung durch Firmenkundenbetreuer (durchschnittlich 4,2 Stunden), Vorbewertung durch Kreditreferent (3,1 Stunden), Entscheidung im Kreditausschuss. Gesamt-Durchlaufzeit: 11,4 Tage im Mittel, in Einzelfällen bis zu 22 Tage. Die Conversion vom Erstantrag zur Auszahlung lag bei 64 % — der Rest sprang ab, meist wegen anderer Banken mit kürzerer Antwortzeit.

    Strategischer Treiber: zunehmender Wettbewerb durch Direktbanken (compeon, Auxmoney Business) und durch Hausbanken-Konkurrenz, die ähnliche KI-Initiativen ankündigten.

    Ziele & KPIs

    • Bearbeitungszeit Firmenkredit ≤ 500 k € auf ≤ 7 Tage Median.
    • Conversion-Steigerung um ≥ 10 Prozentpunkte.
    • Kein Anstieg der Ausfallquote (Default-Rate) im KI-bewerteten Portfolio.
    • MaRisk-Audit-Bereitschaft als Vorbedingung.

    Die Lösung

    Drei Komponenten als Pipeline:

    Komponente 1: Bilanz-Doku-Extraktion

    OCR + LLM-basierte Extraktion strukturierter Daten aus eingereichten Bilanzen, BWAs, GuVs und Anlagenspiegel. Output: standardisierter JSON-Datensatz mit den 38 wichtigsten Bilanz-Kennzahlen, die der Bank-Bewertungs-Standard verlangt.

    Komponente 2: Bonitäts-Vorbewertung

    Klassifikator (Gradient-Boosting + kalibrierte Confidence) mit Output: 5-stufiger Bonitäts-Score, Branchen-Vergleichs-Kennzahlen, Top-3-Risiko-Indikatoren mit Begründung. Wichtig: der Score ist eine Empfehlung, keine Entscheidung.

    Komponente 3: Standard-Vorlage für Kreditausschuss

    Automatische Generierung der Ausschuss-Vorlage in einem standardisierten Layout, mit allen regelmäßig nachgefragten Kennzahlen, Branchen-Kontext, historischen Vergleichsdaten und einer klaren Trennung zwischen „KI-extrahierten Fakten“ und „KI-Empfehlung mit Begründung“.

    MaRisk-Konformität

    Drei zentrale Maßnahmen: (1) Klassifikation als „internes Verfahren“ — keine Auslagerung, keine Cloud-Drittdienste. (2) Jährliche Validierung durch beauftragten Wirtschaftsprüfer mit dokumentiertem Backtesting gegen tatsächliche Kredit-Performance.(3) Vollständige Audit-Spur mit Modell-Version, Eingabe-Snapshot, Confidence-Score und Empfehlung in einer unveränderlichen Audit-DB.

    Vorgehen & Zeitplan

    Vom Kick-off bis zum Live-Betrieb

    1. 1Woche 1–4

      Discovery + MaRisk-Setup

      Use-Case, Compliance-Workshop, Audit-Konzept, Trainingsdaten-Zugriff.

      • Audit-Konzept
      • MaRisk-Memo
      • Daten-Zugriff
    2. 2Woche 5–10

      Pilot Bilanz-Extraktion

      Doku-Extraktion auf 800 historischen Bilanzen, 200-Fall-Eval-Set.

      • Extraktor v1
      • Eval-Bericht
    3. 3Woche 11–18

      Bonitäts-Modell + Vorlagen-Generator

      Klassifikator, Vorlage, Schatten-Betrieb 4 Wochen.

      • Modell v1
      • Vorlagen-Generator
      • Schatten-Bericht
    4. 4Woche 19–24

      Live-Schaltung & Hyper-Care

      Schrittweise Live-Schaltung, 6 Wochen Hyper-Care.

      • Live-System
      • Schulung Kreditreferenten

    Ergebnisse nach 12 Monaten Live-Betrieb

    Gemessen über 12 Monate Live-Betrieb

    47 %
    kürzere Bearbeitungszeit
    18 %p
    höhere Conversion
    540 k €
    Einsparung Jahr 1
    0
    Anstieg der Default-Rate

    Die Median-Bearbeitungszeit ist von 11,4 auf 6,1 Tage gefallen. Die Conversion vom Erstantrag zur Auszahlung ist von 64 % auf 82 % gestiegen — Hauptursache: schnellere Erstantworten an Antragsteller. Die Default-Rate im KI-bewerteten Portfolio ist statistisch identisch mit dem Vorjahres-Vergleichsportfolio (90-%-Konfidenzintervall überlappt).

    „Wir haben gemerkt: nicht der Score ist der Wert. Der Wert ist die saubere, einheitliche Aufbereitung der Bilanz und die schnelle Bereitstellung für den Kreditausschuss. Das hat unsere Diskussionsqualität in den Sitzungen spürbar gehoben.“
    — Bereichsleiter Firmenkunden, März 2026

    Wirtschaftlichkeit

    Total Cost of Ownership Jahr 1: ca. 410 k € (Pilot, Implementation, Managed Service, interne Aufwände). Realisierte Einsparung 540 k € (Personalkosten-Vermeidung 380 k € + Conversion-Steigerung 160 k € Brutto-Margen-Effekt). Net Benefit Jahr 1: 130 k €. Ab Jahr 2 ohne Implementations-Kosten: ca. 415 k € Net Benefit p. a.

    Lessons Learned

    • MaRisk-Memo vor Modell-Bau — spart spätere Audit-Diskussionen.
    • Empfehlung statt Entscheidung — schafft Akzeptanz im Kreditausschuss.
    • Schatten-Betrieb 4 Wochen minimum — KI parallel zum klassischen Prozess für Vergleichszahlen.
    • Bilanz-Datenqualität ist Engpass — bei manuellen Excel-Bilanzen 89 % Erfolgsquote, bei DATEV-PDFs 98 %.

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    Häufig gestellte Fragen

    Trifft die KI eigenständig Kredit-Entscheidungen?
    Nein. Die KI liefert eine Vor-Bewertung („Empfehlung“), die dem Firmenkundenbetreuer und im zweiten Schritt dem Kreditausschuss vorgelegt wird. Die Letztentscheidung trifft immer ein Mensch. Die KI beschleunigt aber die Aufbereitung erheblich — Bilanz-Kennzahlen, Kohorten-Vergleich, Risiko-Indikatoren werden automatisch extrahiert und in einer Standard-Vorlage präsentiert.
    Wie wird MaRisk eingehalten?
    MaRisk AT 9 (Auslagerung) greift bei On-Prem-Lösungen nur eingeschränkt. Wir haben das Modell als „internes Verfahren“ eingeordnet, mit jährlicher Validierung durch eine unabhängige Stelle (Wirtschaftsprüfer). Audit-Spur jeder Empfehlung mit Modell-Version, Eingabe-Snapshot und Confidence-Score. Backtesting der Empfehlungen gegen tatsächliche Kredit-Performance läuft als kontinuierlicher Prozess.
    Welche Bilanzen-Formate werden unterstützt?
    HGB-Bilanzen (Einzel- und Konzern), BWA aus DATEV/SAP/proAlpha, GuV strukturiert oder PDF, Anlagenspiegel. Die Doku-Extraktion arbeitet OCR-basiert auf PDFs und liest strukturierte Quellen direkt ein. Erfolgsquote bei sauberen DATEV-PDFs > 98 %, bei manuellen Excel-Bilanzen ca. 89 %.
    Können wir das System auch für Privatkunden-Kredite nutzen?
    Mit anderem Modell-Setup ja. Wir haben uns hier bewusst auf Firmenkredite bis 500 k € konzentriert, weil dort das volumetrische und prozessuale Hebel-Potenzial am größten war. Privatkunden-Konsumkredite sind bei der Bank ohnehin weitgehend automatisiert über das Verbund-Scoring.
    Wie steht es mit Bias-Risiken?
    Wir prüfen quartalsweise auf strukturelle Verzerrungen entlang Branche, Region, Unternehmens-Größe und Gründungs-Jahr. Bisher ohne signifikante Auffälligkeiten. Im Re-Training-Zyklus (halbjährlich) werden ggf. Korrektur-Gewichte angewendet. Dokumentation entspricht den AI-Act-Anforderungen für Hochrisiko-KI im Finanzsektor (auch wenn der AI Act für Bilanzanalyse-KI nur als „begrenzt risikoreich“ gilt).
    Was hat das Projekt gekostet?
    Pilot 38 k €, Implementation 215 k €, Hardware 0 € (Bank betreibt eigenes Rechenzentrum mit ausreichender GPU-Kapazität), Managed Service 6.500 €/Monat. Realisierte Einsparung Jahr 1: ca. 540 k € (Personalkosten-Vermeidung 380 k € + Conversion-Steigerung 160 k € als Brutto-Margen-Effekt).

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