Was ein Business Case leisten muss
Ein KI-Business-Case ist die schriftliche Entscheidungsgrundlage für eine Investition. Er muss vier Fragen klar beantworten: Was kostet es total über die Investitionsperiode? Welche quantifizierten Effekte erwarten wir? Welche Risiken existieren? Was passiert, wenn wir nicht investieren? Wenn auch nur eine dieser Fragen unklar bleibt, ist es kein Business Case — sondern eine Konzeptpräsentation.
Drei Bestandteile sind Pflicht: (1) Entscheider-Dokument 6–10 Seiten mit Empfehlung, (2) Excel-Modell mit Best-/Realistisch-/Worst-Case, (3) Annahmen-Anhang mit Quellen und Sensitivitäten.
Die 5 Wert-Hebel — und ihre realistische Größenordnung
Wichtig: nie alle fünf Hebel gleichzeitig kalkulieren. Pro Use Case sind 1–2 Haupthebel realistisch. Wer alle fünf ansetzt, signalisiert Unsachlichkeit und wird in der GF-Sitzung zerlegt.
Kostenstruktur — was wirklich anfällt
Vollständige Kostenpositionen für einen Mittelstands-typischen KI-Use-Case:
- Einmalkosten: Discovery (3–8 k€), Pilot-Implementierung (15–60 k€), Daten-Aufbereitung (5–25 k€), Compliance-Setup (3–10 k€), Schulungen (2–8 k€).
- Laufende Kosten/Jahr: Lizenzen (LLM-API, Vektordatenbank, Tools — 6–25 k€), Hosting (1,5–8 k€), Wartung & Re-Training (8–25 % der Implementierungskosten), interne Kapazität KI-Lotse (anteilig 15–60 k€).
- Versteckte Kosten: Lock-in-Migration falls Anbieterwechsel (3–15 k€), Modell-Drift-Korrektur (1–6 k€/Quartal), Eskalation bei Compliance-Audit (5–20 k€ Ad-hoc).
Konkrete Bandbreiten je Use-Case-Typ liefert unser KI-Kostenrechner.
ROI-Szenarien aufstellen
Drei Szenarien sind Pflicht:
- Best Case — alles läuft wie geplant, Adoption hoch, Daten ausreichend, kein Compliance-Stolperer. Realistisch: 15–25 % Wahrscheinlichkeit.
- Realistisch — Pilot dauert 4 Wochen länger, Adoption bei 70 % statt 95 %, ein Iterations-Zyklus zusätzlich. Erwartungswahrscheinlichkeit: 50–60 %.
- Worst Case — Pilot scheitert teilweise, Re-Architektur in einem Bereich, Akzeptanz unter 50 %. Wahrscheinlichkeit 15–30 %.
Faustformel: Wenn der Worst Case keinen positiven ROI mehr produziert, das Investitionsvolumen reduzieren — z. B. mit kleinerem Pilot starten. Ein Investment, dessen Worst Case rote Zahlen schreibt, gehört nicht ohne Begleitmaßnahmen in die Vorlage.
Risiko-Abschlag korrekt kalibrieren
Der Risiko-Abschlag wird auf den Realistisch-Case angewendet, bevor er der Geschäftsführung präsentiert wird. So bleibt der Business Case auch dann verteidigungsfähig, wenn der Pilot nicht ideal verläuft. Geschäftsführer:innen schätzen diese Konservativität — sie ist ein Glaubwürdigkeits-Marker.
Vorlage-Struktur (für Ihr Excel + Word-Dokument)
Word-Dokument (Entscheider-Vorlage, 6–10 Seiten):
- Executive Summary (1 Seite, Empfehlung + 3 Kernzahlen)
- Problemstellung & Status quo (1 Seite, mit Baseline-Messung)
- Lösungsansatz (1–2 Seiten, Architektur, Anbieter, Scope)
- Wirtschaftlichkeit (1–2 Seiten, 3 Szenarien, Hauptzahlen)
- Risiken & Gegenmaßnahmen (1 Seite, Top-5-Risiken)
- Compliance & Governance (1 Seite, DSGVO, EU AI Act)
- Empfehlung & nächste Schritte (0,5 Seite, klare Entscheidungs-Frage)
Excel-Modell: Tabs für Annahmen, Kosten Jahr 1–3, Wert-Hebel Jahr 1–3, Sensitivitäten (Adoption, Lohnkosten, Stückzahlen), Cashflow, IRR/NPV.
Die 7 häufigsten Fehler im Business Case
- Best-Case als Hauptzahl — kein Risiko-Abschlag.
- Zeit-Ersparnis 1:1 monetarisiert — ohne Verwertungsfaktor.
- Vergessene Kosten (Daten-Aufbereitung, Change, Compliance, Modell-Drift).
- Vermischen von Hebeln — drei sich überlappende Wertströme parallel angesetzt.
- Soft Benefits in der Hauptzahl — Mitarbeiter-Zufriedenheit in Euro umgerechnet.
- Keine Baseline — kein Vorher-Zustand gemessen, also kein Nachher-Vergleich möglich.
- Keine „Nicht-Investition"-Variante — ein Business Case ohne Status-quo-Szenario ist unvollständig.
Konkreter nächster Schritt
Drei pragmatische Wege, je nach Reifegrad:
- Sie haben einen Use Case im Kopf: nutzen Sie den KI-ROI-Rechner als Ausgangspunkt für Ihre erste Hauptzahl.
- Sie wollen Benchmark-Daten: die Private-AI-TCO-Studie liefert anonymisierte Zahlen aus 47 Mandaten.
- Sie wollen einen externen Sparrings-Partner: wir prüfen Ihren Business-Case-Entwurf in einer 60-Minuten-Session — Termin buchen.
